Meine Krankengeschichte

Mein Name ist Selina Letsch. Ich bin 16 Jahre alt und wohne in einem kleinen Dorf in Thüringen. Nach mehreren bedenken habe ich mich entschlossen mein Leid öffentlich zu machen. Ich möchte mit dem Blog nicht bewirken das ich Mitleid von Leuten bekomme. Ich möchte damit bewirken das Ärzte aller Art die Augen aufmachen. Und ich möchte euch damit zeigen wie schlimm die Krankheit unterschätzt wird. Es werden hier Bilder, Videos, Berichte und natürlich viele Blogs rund um das Thema Borreliose kommen.

Und damit ihr jetzt einen Einblick bekommt erzähle ich euch meine Geschichte.

Vor 8 Jahren war ich mit meiner und noch einer Familie im Spreewald. Ich war zu dem Zeitpunkt 8 Jahre. Wir waren dort mehrere Tage im Urlaub. Als wir eines Abends von einem Waldspaziergang wieder kamen ,hatten ein Mädchen (was noch mit dort war) und ich eine Zecke.
Bei dem anderen Mädchen was ebenfalls 8 Jahre alt war kam sofort eine Wanderröte zum Vorschein, vorauf hin sie das Mädchen auf Borreliose getestet hatten. Ich hingegen hatte keine Wanderröte und wurde nicht getestet.
Das Mädchen hat sofort Antibiotika bekommen und in 2 Wochen war das Thema gegessen.
Bei mir war das anders. Als wir wieder daheim waren hatte ich den Epstein – Barr Virus. Jetzt bin ich schlau genug und hätte gewusst das es ein sicheres Zeichen für Borreliose ist. Aber damals hatten wir keine Ahnung davon. Ab da begann die Zeit wo ich sehr oft Erkältungen hatte. Ständige Nasennebenhölen und Stirnhöhlenvereiterung, Angina, Kehlkopfentzündungen, Magen- Darm Virus, Bindehautentzündung und noch vieles weiteres mehr.
Ich hatte schon immer sehr viele Fehltage in der Schule. Aber ich hab mich immer irgendwie durchgeboxt. Richtig gesund hab ich mich seit dem Biss nicht mehr gefühlt.

Auf jeden fall hatte ich dann in der 4. Klasse einen merkwürdigen Vorfall.
Meine Mandel hatte sich auf meine Zunge gelegt. Innerhalb von ein paar Wochen ist die Mandel Golfball groß angeschwollen und ist weiß geworden. Es stand dann der Verdacht auf Tumor, was sich nicht bestätigt hat.
Meine Mandeln wurden dann operativ entfernt und die Beschwerden waren weg.
Nach der 4tn Klasse bin ich dann auf eine Regelschule gewechselt. Ab da haben starke Kopfschmerzen und Rücken/Genickschmerzen angefangen.
Außerdem sind meine Augen schlechter geworden.
In der 6tn Klasse kamen dann starke Müdigkeit und starke Knieschmerzen dazu.
Mein Kniee füllen sich bis heute mit Wasser und sie werden blau und schwammig.
In der 7. Klasse bin ich dann wegen guten Leistungen in der Schule auf ein Gymnasium gewechselt.
Bis auf die schon genannten Symptome ging es bis zur 8 Klasse gut.

Ab der 9 Klasse fing alles so richtig an. Mit 14 Jahren hab ich mich gefühlt wie ne Oma.
Akuter Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm Erkrankungen, Gelenkschmerzen, hoher Puls, Hitzewallung, Schüttelfrost,Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Schwächeanfälle,verschwommenes sehen und und und …

In den Krankenhäusern hat man es auf die Pubertät geschoben und ich war abgeschrieben.
Aber irgendwann ging es einfach nicht mehr mit Schule. Und ich hab Mitte der 10. Klasse die Schule abgebrochen.
Meine Hausärztin hat aber immer an mich geglaubt und wir haben alles Testen lassen. Aber leider ohne Erfolg.
Als dann alle angefangen haben mich als depressiv abzustempeln war ich bei einer Kinder und Jugendpsychologin .
Aber wie sollte sowas meine Schmerzen beseitigen ? Ich hab mir das zwar alles angehört aber mir war klar das ich das nicht brauche.

Also war unser nächster Schritt ein Heilpraktiker. Man muss schon sagen das dass alles ziemlich unglaubwürdig ist was er da so macht.
Aber er sagte dann zu mir das ich Borreliose hab. Er verschrieb mir Karde und ein Pulver was nach Dreck geschmeckt hat.
Das nahm ich nen Monat und mir ging es auch besser. Als ich es dann nicht mehr genommen hatte kam der große Rückschlag. Es wurde von Woche zu Woche schlimmer.
Ich muss auch zugeben das wir zu dem Zeitpunkt die Krankheit total unterschätzt hatten. Wir hatten uns auch nicht informiert anfangs. Wir hatten gedacht das geht mit dem Pulver weg.

Ich hatte auch in der Zeit eine sehr gute Physiotherapeutin gefunden die bei mir Osteopathische Dinge anwendete und es bis heute macht. Sie hat auch festgestellt das sich schon viel verändert hat durch die Borreliose. Meine Wirbelsäule verkrümmt sich,Hüftkopfprobleme, Knieprobleme,Schulterprobleme, Schlüsselbein und Genickprobleme. Und das bei einem 16 Jährigem Mädchen. Sie hat Zauberhände. Sie macht immer meinen extremen Schwindel und meine Kopfschmerzen weg. Das hält zwar nicht all so lange an aber es ist der Wahnsinn. Sie hilft mir bei so vielen Dinge wofür ich ihr sehr Dankbar bin.
Ivonne wenn du das irgendwann mal ließt danke für alles !!!! Aber auch sie konnte das andere nicht beseitigen.

Als es dann so schlimm wurde das ich nur noch im Bett lag und wirklich nichts mehr machen konnte haben wir dann gegoogelt. Und dass was wir da lasen war erschreckend.
Also gingen wir mit dem neu erlangten wissen wieder zu meiner Hausärztin. Aber sie konnte nichts machen. Also standen wir allein da. Nach ner Zeit haben wir dann herausgefunden das es Borrelioseärzte und Kliniken gibt.

Mittlerweile hatte ich weitere Symptome wie: Taubheitsgefühle in Händen und Füßen, nächtliches Muskelzucken, niedriger Blutdruck, Herzrasen, Herzschmerzen, Doppelbilder, Sehkraft (verschlechtert sich weiter), geschwollene Lymphknoten, Ohnmachtsgefühle, Wortfindungsstörungen, Konsentrationsstörungen, Probleme mit der Uhr und wirklich absolute Kraftlosigkeit.

Während wir auf den Termin bei der Borrelioseärztin warteten versuchten wir es nochmal im Krankenhaus.
Der sagte dann man könne nichts machen.
Dann hörte er mich ab, tastete alles ab und machte noch ein paar andere Tests. Und dann kam der Kommentar von ihm den ich niemals vergessen werde. „Nicht das du mir vor dem Krankenhaus umfällst und es ein schlechtes Licht auf uns wirft“. Mit diesem Satz wurde ich dann entlassen.

Es blieb uns dann nichts anderes übrig als auf den Termin zu warten. Mein Hobby, dass reiten ,musste ich aufgeben weil ich keine Kraft mehr hatte/habe mich festzuhalten.
Dann war der Tag endlich gekommen.Ich war mega aufgeregt aber wenn ich ehrlich bin hatte ich keine Hoffnung mehr.
Als wir dann dort waren hatten wir ein 1 Stündige´s Gespräch mit Borrelioseärztin.
Ich musste dann am nächsten Tag für den LTT Test wieder kommen. Sie haben mir Blut abgenommen und dann hieß es wieder warten.

Während wir warteten wurde es so schlimm bei mir das ich nicht mehr konnte. Ich war am Ende. Also gab mir meine Hausärztin eine Überweisung nach Jena in die Uni Klink wegen dem verdacht auf Neuroborreliose.
Das Gespräch vor Ort mit der Assi. Ärztin war recht gut. Aber was dann kam werde ich nie vergessen. Sie schickten mir eine Schulpädagogin und eine Psychologin .Ohne mich näher untersucht zu haben.
An dem Tag hatte ich noch ein Kopf MRT. Das war das einzigste was sie gemacht haben. Am Ende der 3 Tage haben sie nichts gemacht wo man Neuroborreliose feststellen könnte. Haben mich aber entlassen mit Neuroborreliose nicht vorhanden.
Ich habe 3 Tage bei einer Pädagogin und bei einer Psychologin verbracht. Musste Bäume malen und Mathe machen. Und das obwohl es mir schlecht ging. Die Psychologin sagte mir das ich Depressiv bin und ich eine stationäre Behandlung brauch. Sie hat behauptet das alle Symptome daher kommen. Ab dem Punkt konnte ich nur noch lachen ..

Als wir dann von Jena wieder kamen sind wir direkt zu der Borrelioseärztin die das Ergebnis des LTT Tests hatte.
Als wir kamen hat sie direkt gesagt: Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht. Selina du hast Borreliose und das sehr ausgeprägt. Dieser Satz war der schönste nach 2 1/2 Jahren Kampf mit Ärzten. Meiner Mama und mir sind die tränen gelaufen. Das war Freude und Trauer.
Und an der Stelle möchte ich meiner Mama danken. DANKE das du nie aufgehört hast an mich zu glauben. Danke das du mich immer unterstützt hast. Denn in manchen Zeiten bist du die einzigste dir mir glaubt. Es gab Zeiten da hatte ich nicht mal Unterstützung von meiner Familie. Sie haben es unterschätzt und sie haben glaube ich auch angefangen zu glauben das ich depressiv bin. Aber Mama nicht. Mama war immer davon überzeugt das ich nicht depressiv bin. Klar gab es Zeiten wo man selber darüber nachgedacht hat ob die Ärzte vllt recht haben. Aber ich glaub das ist normal.

Kommen wir zurück zum eigentlichen.

Ich bekam an dem Tag 7 verschiedene Tabletten darunter 2 Antibiotika´s. Die nahm ich einen Monat und musste dann aber abbrechen weil ich schlimme Nebenwirkungen hatte. Meine Haut ist sehr dünn geworden. Und ich durfte nicht mal 5min in die Sonne da hatte ich Hautfetzen an der Hand und am Knie.
Dann bekam ich neues Antibiotika, aber auch das Schlug nicht an.
Das ging 2 Monate so.
Dann hat sie mir ganz viele verschiede Vitamine verschrieben (siehe Behandlungsmöglichkeiten).
Außerdem gehe ich bis heute 2 mal die Woche zur Infusion wo ich hochdosierte Vitamine bekomme. Derzeit nehme ich 11 Tabletten am Tag und ihr könnt mir glauben, es steht mir bis zum Hals !! Die Infusionen helfen bei mir aber leider nur kurzzeitig.
Außerdem spritze ich mir 3 mal die Woche B12.
Ich habe das Gefühl das es nur noch schlimmer wird. Ich fang an Schlafstörungen zu bekommen, weil ich vor Lauter schmerzen nicht mehr einschlafen kann.
Sämtliche Gelenke schmerzen besonders Nachts. Ich bin ehrlich gesagt am Ende. Ich kann nicht mal mehr einkaufen ohne das es mir schlimm schwindlig wird und ich von jetzt auf gleich wieder null Kraft hab.

Wir haben in den 3 Monaten tausende von Euro ausgegeben für nichts bisher.

Derzeit habe ich auch schlimme Magen-Darm Beschwerden. Da es jetzt immer noch nicht weg ist war ich beim Arzt. Auch er tastete mich ab und sagte es könnte das und das sein. Als er dann aber die Berichte von Jena las sagte er mir. „Das haben solche Menschen wie sie“ . Also wurde ich wieder als Depressiv abgestempelt. Ich steh allein da. Kein Arzt will einen helfen. Und das macht mich so sauer. Deswegen der Blog. Mein Wunsch ist, den Menschen die das betrifft das Gefühl vermitteln zu können, dass sie nicht allein sind. Ich sage hiermit den Ärzten und den Krankenkassen den Kampf an!!!

Ich werde kein Blatt mehr vor dem Mund nehmen. Wir können was bewirken!!!!!

Selina Letsch

5 Kommentare zu “Meine Krankengeschichte

  • 17. September 2015 zu 22:43
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    Das ist ein sehr typischer Fallbericht der Situation Borreliose!!! Unglaubliche Überheblichkeit und Arroganz von großen Teilen der Mediziner! Die Lehrmeinungsmacher der Borreliose müssen Entmachtet werden!!! Was man nicht erklären kann sieht man als psychosomatisch an! Das ist ganz einfach dieser Weg!

    Reply
  • 3. November 2015 zu 20:49
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    Hallo Selina,

    deine Geschichte könnte auch meine sein. Viele Borreliose-Patienten haben immer und immer wieder die gleichen/ähnliche Symptome. Es spielt sich in der Schulmedizin immer das gleiche ab.
    Psychosomatische Störungen, Depressionen etc., etc. Ein Gericht in Bayern hat im Frühjahr 2015 mal kurz die Borreliose sowie die „chronische Borreliose“ vom Tisch gefegt. Das war ein Schlag für alle Borreliose-Patienten ins Gesicht. Ich kämpfe auch schon lange….
    Lies bitte mal das Buch „Die verschwiegene Epidemie“ von Frau Jürschik-Busbach, dann weißt Du warum das alles so ist.
    In diesem Sinne…. Kopf hoch…. wir kämpfen weiter.

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  • 3. November 2015 zu 22:30
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    Liebe Selina,

    Ich spüre hinter jedes Wort wie du dich fühlst und wie schwer den weg ist die du zugehen hast. Als Mutter weis ich wie schlimm es ist wenn dein Kind und seiner Krankheit verneint und nicht geglaubt wird. Auch ich habe wie deine Mutter nie aufgegeben weiter zu kämpfen. Meinen Sohn hat, genauso wie du schreibst, u.a. immer mehr die Sehkraft verloren bis nur noch 5% übrig war. Dank eines Deutschen Arztes (wir leben in den Niederlanden) haben wir nach 4 Jahre, Anfangs 2011 die Behandlung endlich anfangen können. Über den Jahren und unter ständige Behandlung bis zu den heutigen Tag, darf ich jetzt sagen dass es ihm sehr gut geht. Er ist wieder fähig zu studieren und geht wieder zur schule nach 6 Jahre ohne Unterricht.
    So bitte Liebe Selina gib nicht auf, mach weiter! Falls … du weist wo du mich erreichen kannst über E-Mail.
    Ich wünsche dich und deine Mutter alle kraft der Welt.
    Alice

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  • 6. November 2015 zu 7:51
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    Liebe Selina,

    wer könnte nicht das gleiche Lied vom Leid singen. Ich kenne aus Selbsthilfegruppen keinen dem es anderes ergangen wäre. Das ist so unendlich traurig.

    Die Frage ist jetzt, was du daraus machst! Und wie ich finde, machst du mit dieser Seite genau das richtige. Behalte diese Energie bei und stecke es in kreative Ideen Dir Hilfe zu besorgen, sie wird dann auch kommen, ich habe es erlebt.

    Ich habe kürzlich ein Buch geschrieben und veröffentlicht. Dort beschreibe ich mein ganzes Leid, und auch den Weg den ich eingeschlagen habe um mich aus dem Schlamm zu ziehen um wieder gesund zu werden. Fazit, ich habe es geschafft und kann Dir versprechen, mit der Energie die du an den Tag legst, schaffst du es auch.

    Wenn du mir eine Nachricht mit deiner Adresse schickst, oder dich hier http://www.jaroslawvenzke.de einfach per Kontaktformular bei mir meldest, würde ich dir gerne mein Buch schenken und es Dir schnell zusenden. Vielleicht bringt es dich auf neue Ideen, und davon brauchen wir Borrelien-Geplagten eine Menge.

    Ich denke an dich und wünsche dir alles Gute! Werde schnell wieder gesund, du schaffst das!

    GLG

    Reply

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